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Fotos: Jens Hasenberg

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RANDBEMERKUNGEN – EIN STÜCK VON CLAUDIA LICHTBLAU URAUFFÜHRUNG:  2. 10. 2008 STADTPARK HAMBURG UND KAMPNAGEL

Wie sprechen, wenn alles gesagt scheint? Und wie findet Kunst ihren Ort? Die Essener Choreografin Claudia Lichtblau ist eine Ausnahmekünstlerin, die ihr Schaffen als Denken in Körpern versteht, in einer schonungslosen Selbstbefragung, an der sie den Betrachter teilhaben lässt. Im Ruhrgebiet hat sie Industriebrachen für ihre Kunst erschlossen. Als Folkwang-Absolventin und ehemalige Choreografin des von Pina Bausch geleiteten Folkwang-Tanzstudios steht sie in einer bedeutenden Tradition des Tanzes in Deutschland. Auf Einladung der tanzinitiative hamburg entsteht ein Stück, das in einer Passage vom Stadtpark auf die Kampnagel-Bühne Bewegungs- und Klangräume von Choreografie verortet.

Einen Raum zu erschließen nicht in der Nacherzählung von Geschichte sondern in der Öffnung zur Vision. Im Hamburger Stadtpark unter freiem Himmel hat zu Beginn der 1920er Rudolf von Laban die ersten Bewegungschöre ins Leben gerufen. Ein Ort, der damals wie heute zur Neupositionierung von Choreografie und Tanz inspiriert. Die Arbeit von Claudia Lichtblau aus Essen, die zu den konsequentesten Choreografinnen ihrer Generation gehört, basiert im Wesentlichen auf der Laban’schen Choreutik, ihre Ästhetik ist jedoch zeitgenössisch, wenn nicht gar zeitlos. Sie thematisiert ein Individuum, das sich an den Rändern und in Zwischenräumen bewegt.

„Ihre Arbeit produziert aus den Versatzstücken einer als Steinbruch genutzten Tanzkunst reale Ereignisse“, sagt der Philosoph Rupert J. Seidl über Lichtblaus Arbeit. Vor dem Hintergrund von Lichtblaus Werk, in dessen Mittelpunkt die choreografische Erschließung des stillgelegten und heute zum Unesco- Weltkulturerbe ernannten Industrieareals Zollverein im Ruhrgebiet steht, ist der zweite Teil ihrer inszenatorischen Auseinandersetzung mit dem Ort K3-Zentrum für Choreographie auf dem ehemaligen Industriegelände Kampnagel darum ebenso spannend. Denn Lichtblaus Arbeit berührt immer wieder auch Fragen zur Institutionalisierung von Kunst.

Tanz: Marine Fourniol, Matthias Hartmann
Posaune: Brent Foster
Kostüme: Margit Koch
Ortsbestimmungen: Im Rahmen der Theorie-Reihe: Moving Heads – Choreografie im Gespräch: Die Choreografin Claudia Lichtblau trifft den Regisseur Laurent Chétouane im Gespräch mit Irmela Kästner Produktion: Schmidt-Rohr/Kästner-tanzinitiative hamburg

Koproduktion: K3 – Zentrum für Choreographie, Tanzplan Hamburg auf Kampnagel Gefördert von: Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, wir danken dem Bezirksamt Nord, dem Planetarium Hamburg und der roten Doppeldecker GmbH

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