Magic Light

Fotos: Stefan Malzkorn

Magic Light

TANZ IN CONTAINERN AUF DEM HACHMANNPLATZ/ HBF HAMBURG URAUFFÜHRUNG:  SEPTEMBER 2005

Mix dir die Zauberformel, stell dich ins magische Licht der Aufmerksamkeit! Nicht allein das Geld regiert die Welt. Die Sucht nach öffentlicher Aufmerksamkeit ist zur dominierenden Währung geworden, fast schon einer Droge gleich. Nur dass im Schein von Hochglanzwerbung und Medienallmacht alles und alle immer gleicher werden. Das Einzigartige, das Geheimnisvolle sind nur noch leere Versprechen. Glamour ist tot. Der Schimmer ist erloschen. Denn heute drängt alles und jeder ins blendende Rampenlicht.

Klassisches Ballett trifft zeitgenössischen Tanz. In welcher Art von Bühnentanz, wenn nicht in den hochstilisierten, ikonenhaften Choreografien und Posen des nach Perfektion strebenden klassischen Balletts, findet sich jene urbildhafte Überhöhung und Magie, einst umweht von einem Hauch von Göttlichkeit? Dagegen betreibt der zeitgenössische Tanz gern die Entzauberung des  Auratischen, genauso wie des Authentischen, verzerrt deren Mechanismen, entlarvt sie oder führt sie nüchtern vor. Doch zielen diese künstlerischen Ansätze immer wieder auf ein zentrales Thema: Das Ausgeliefertsein des Tänzers an das Bild eines idealen und genormten, massenhaft sich wiederholenden Körpers. Es bleibt die Sehnsucht nach dem Geheimnis, nach der Einzigartigkeit des Individuums, jenseits von Vermarktung und Werbestrategie. Es bleibt die Lust auf Irritation und Störung glatter medialer Oberflächen. Zeitgenössische Choreografie und die Ballerinen des klassischen Balletts stehen sich hier keineswegs diametral gegenüber. Beide beleuchten die angeschnittenen Themen aus unterschiedlicher Perspektive, fließen über die einzelnen Container zusammen zu einer Bildkomposition. Dennoch ist letztlich jeder für sich allein in seiner „Box“ in dieser Container-Installation, deren Architektur das organische Gefüge eines Ensembles fragmentiert und den Raum in standardisierte Stücke zerteilt. Strategien der Aufmerksamkeit durchleuchtet die Inszenierung magic light in Fortsetzung von glamour– Tanz in Containern auf dem Spielbudenplatz/St. Pauli. Ganz bewusst bewegt sich diese Inszenierung im Spannungsfeld zwischen Aufmerksamkeit erheischenden Methoden und der Vermittlung ungewohnter künstlerischer Versuchsanordnungen. Internationale Tanzkünstler treffen auf Hamburger Tanzschaffende. Die Container-Installation steht am Hamburger Hauptbahnhof auf – in einer weithin sichtbaren Licht-Bild-Choreografie als Werbeträger für den Tanz. Und nicht umgekehrt, wie so oft, wenn der Tanz zu Werbezwecken benutzt wird. Für Reisende der erste oder letzte Eindruck, den sie mitnehmen. Für City-Flaneure und Schnäppchenjäger ein Bonusstück für den Heimweg.

Der Titel magic light ist insofern auch eine ironische Anspielung auf die brennwertreduzierte Produktwerbung. Die Container fungieren als Bühnenfenster eines  temporären Tanzhauses, in denen unterschiedliche, größtenteils eigens für die Inszenierung kreierte Tanzstücke in einem dramaturgisch aufeinander abgestimmten und zeitlich festgelegten Rahmen aufgeführt werden, integriert in ein Gesamtkonzept von Licht und Sound. Chris Haring & liquid loft, Wien Stephanie Cumming, Wien/Vancouver Paula E. Paul, Potsdam mit Annette Klar, Roger Döring, Berlin Litó Walkey, Berlin/Vancouver Yolanda Gutièrrez, Hamburg Vadim Bauser, Konstantin Johannes, Hamburg Matthias Breitenbach, Hamburg Tomislav Jelicic, Hamburg u.v.a.

Konzept, künstlerische Leitung: Irmela Kästner, Barbara Schmidt-Rohr
Produktionsmanagement: Joschi Neu
Dramaturgische Beratung: Chris Haring
Licht: Tanja Nowak
Sound: Stefan Rossow Ausstattung: Artifact Hamburg
Produktion: Schmidt-Rohr/Kästner- tanzinitiative hamburg gefördert von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, mit Unterstützung der Hamburgischen Kulturstiftung, Nationales Performancenetz NPN, Kampnagel Hamburg, Evergreen Deutschland, wir danken den Firmen: Seeland, HCCR, HHLA, Stapelfeldt, Mateco

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